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Domestikation des Hundes

Wer sich eine Maschine anschafft, liest ausführlich ihre
Betriebsanleitung, studiert ihre Anwendungsmöglichkeiten
mit Vor- und Nachteilen und geht sehr sorgfältig damit um.
Bei Lebewesen hingegen glauben wir nur all zu oft mit einem
vagen Gefühl durchzukommen. Das ist gedankenlos.
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Hundehaltung ist
Kenntnis der Materie. Einer der meistverbreiteten Irrtümer in der
Kynologie ist nämlich die Meinung, lediglich der Hund müsse
gewisse Dinge lernen. Dabei ist es gerade umgekehrt: Wir selbst
sind die Schüler, nicht der Hund. Bevor wir uns anmaßen, einen
Hund an die Hand zu nehmen, müssen wir mehr wissen über ihn,
seine Herkunft, sein Verhalten und die gegenseitige Verständigung
Es gilt heute als gesichert, dass unser Vierbeiner vom Laufraubtier
Wolf abstammt. Im Laufe der Jahrtausende ist also aus dem Wolf,
welcher als Gruppenjäger eine ausgeprägte soziale Rangordnung
befolgt, unser treuer Begleiter geworden. Diese Entwicklung nennt
man Domestikation oder Haustierwerdung, was nicht das gleiche
wie Zähmung ist. Trotz dieser Haustierwerdung trägt unser Hund
noch viele „Urwurzeln eines frei lebenden Wolfes“ in sich (Tortora).
Aus diesen Gründen benötigt der Hund Haltung, Bewegung und
Nahrung wie ein domestiziertes Laufraubtier. Er kann durch einen
guten menschlichen Rudelführer in die menschliche Ersatzmeute
eingeordnet werden und ist als sozial lebendes Wesen zur
Zusammenarbeit mit uns Ersatzrudelgenossen fähig. Als Folge der
Domestikation hat er auch seine jugendliche Anhänglichkeit,
welche bei Wölfen nur die Jungtiere zeigen, für das ganze
Hundeleben beibehalten.

Dank all dem ist es möglich, dass unser Canis familaris, wie er
lateinisch heißt, zum beliebtesten Haustier und sogar zum
unentbehrlichen Helfer des Menschen geworden ist. Aber – und
dies muss uns ganz klar sein – diese Eigenschaften verpflichten
uns Hundehalter, ihn artgerecht zu halten,
zu beschäftigen und zu erziehen.